Ich bin ich (und das ist gut so)

Ich bin ich
und das ist gut so,
doch das habe ich nicht immer so sehen können

Lange dachte ich,
ich bin falsch,
denn

Ich war nie so
wie die Gesellschaft mich sah,
wie andere mich haben wollten

Ich habe mich nie
in den Rollen gesehen,
die mir die Gesellschaft vorgab
und passte nie in irgendeine Schublade

Ich war schon immer anders,
weshalb ich lange dachte,
ich sei falsch

Lange habe ich mich verstellt,
weil ich dachte,
nur so jemals Akzeptanz erfahren zu können

Immer wieder dachte ich,
irgendwie muss es doch möglich sein,
dass mich jemand akzeptiert –
ja, vielleicht sogar mag –
doch ich dachte nie,
dass es realistisch ist
und es auch nur einen Menschen gibt,
der mich so akzeptiert,
wie ich wirklich bin

Jahrelang spielte ich die verschiedensten Rollen
und gab immer wieder vor,
jemand anders zu sein

Jemand der ich nicht bin,
der ich nie war
und auch nie sein werde

Ich bin ich –
und ich möchte so gesehen werden,
wie ich bin,
möchte dafür geliebt werden,
wer ich bin
und mich nicht verstellen müssen
um akzeptiert und respektiert zu werden

Doch realistisch erschien mir das nie.

Lange hat es gedauert,
bis ich zu der Erkenntnis kam,
dass es wichtiger ist,
mir selbst treu zu sein,
anstatt von anderen gemocht zu werden –
und die richtigen Menschen mögen mich so
wie ich wirklich bin
und zwar immer

Lange hat es gedauert,
bis ich aussprechen konnte,
wer ich bin
und wie ich mich fühle,
dabei wusste ich es schon lange

Ich war nicht einmal zehn Jahre alt,
als mir klar war,
dass ich nicht das bin,
was andere in mir sehen

Mir war schon immer klar,
dass ich kein „typisches Mädchen“ bin,
ein Junge bin ich aber auch nicht –
doch was bin ich dann?

Mir war schon immer klar,
dass das Geschlecht eines Menschen
für mich nebensächlich ist
und ich mich in jeden verlieben kann,
wenn alles andere passt –
doch wie bezeichnet man das?

Einen Begriff dafür zu finden,
wer ich bin
und wen ich liebe
war von Anfang an eine Schwierigkeit

Denn queere Themen waren in meinem Umfeld nie im Gespräch.

Ich kann an einer Hand abzählen,
wann es über das heteronormative Denken hinausging,
verstanden habe ich das jedoch nie

Liebe ist doch für jeden da,
ganz egal wer wen liebt,
so lange niemand verletzt wird

Und warum haben Menschen ein Problem damit,
wenn ein anderer Mensch sein Geschlecht angleicht,
damit es zur eigenen Wahrnehmung und Identität passt?

Lasst die Menschen sein, wie sie sind,
schließlich möchte niemand dafür verurteilt werden,
zu sich selbst zu stehen!

Doch mit dieser Ansicht stand ich lange alleine da.

Es fiel mir besonders schwer,
mich selbst zu akzeptieren,
weil ich eben nicht der „Norm“ meines Umfelds entsprach
und ich selbst dann,
wenn ich nicht über meine Identität sprach,
immer wieder Unverständnis ausgesetzt war

Die Menschen um mich herum
haben alles kritisiert,
was nicht ihrer eigenen Welt entsprach

Queerfeindlichkeit und Diskriminierung
wurde schon immer groß geschrieben –
und ein queeres Leben totgeschwiegen

Lange war ich verunsichert
und hatte Angst davor,
zu mir selbst zu stehen.

Ich hatte Angst,
jeden Menschen in meinem Leben zu verlieren,
wenn ich darüber spreche,
wer ich wirklich bin

Ich hatte Angst,
von meinem Umfeld verstoßen zu werden,
wenn ich darüber spreche,
in wen ich mich verliebt habe

Ich hatte Angst.

Unbeschreiblich große Angst,
und diese Angst hat mich so sehr gelähmt,
dass ich jahrelang geschwiegen habe.

Ich habe mich versteckt,
habe Zuflucht im Internet gesucht,
weil es dort Menschen wie mich gab –
Menschen, die mich verstehen

Lange hat es gedauert,
bis ich den Mut fassen konnte,
zu mir zu stehen
und offen darüber zu sprechen,
wer ich wirklich bin

Doch der Moment,
in dem ich realisierte,
dass es viel wichtiger ist,
dass ich glücklich bin –
auch wenn das bedeutet
andere Menschen dadurch zu verlieren –
war ein Moment der Freiheit

Endlich konnte ich ein Stück näher zu mir selbst finden
und anfangen, mich selbst zu verwirklichen

Ich fühlte mich freier als je zuvor,
doch zugleich machte es mir Angst,
denn

In jedem Moment besteht die Gefahr,
diskriminiert zu werden.

In jedem Moment besteht die Gefahr,
nicht so gesehen zu werden,
wer ich wirklich bin.

In jedem Moment besteht die Gefahr,
mich wieder erklären zu müssen
und doch nicht verstanden zu werden.

In jedem Moment besteht die Gefahr,
für das verurteilt und gehasst zu werden,
was mich wirklich glücklich macht:

Ich selbst zu sein.

Mittlerweile bin ich an einem Punkt in meinem Leben,
wo ich offen sagen kann:

Hi, mein Name ist Lenny Mika!
Ich bin non-binär,
und wenn ich mich verliebe,
dann in einen Menschen,
weil ich mich wohl mit ihm fühle,
fernab von Geschlechtsidentitäten, Stereotypen und Klischees.

Denn ich bin ich
und das ist gut so.

Ich habe Menschen in meinem Leben,
die mich genau so akzeptieren
und mich für den Menschen lieben,
der ich wirklich bin

Ich habe Menschen in meinem Leben,
die mir immer wieder zeigen,
dass ich gut bin,
genau so wie ich bin
und dass Labels keine Rolle spielen,
wenn man einen Menschen wirklich mag

Ich habe Menschen in meinem Leben,
die mir tagtäglich beweisen,
dass ich den richtigen Weg gegangen bin
indem ich mich dazu entschieden habe,
mich nicht mehr anzupassen
um Akzeptanz zu erfahren

Denn die richtigen Menschen
lieben mich so
wie ich bin –
und ich liebe sie dafür,
dass sie mir genau das
immer wieder deutlich machen

Ich muss mich nicht mehr verstellen;
ich kann endlich ich selbst sein
und es könnte mir nicht besser damit gehen,
denn endlich kann ich laut sagen:

Ich bin ich
und das ist gut so –
ganz unabhängig davon,
ob andere mich mögen oder nicht,
ob sie mich akzeptieren oder nicht,
denn

Die Ansicht anderer
hat keinen Einfluss auf meinen Wert
und niemand hat zu entscheiden,
ob ich gut bin, wie ich bin,
außer ich selbst

Und ich finde mich gut, denn:

Ich bin ich
und das ist gut so.

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